Workshop Tanz


Modern Dance meets Orient!

„Modern Dance meets Orient!“ Welche besonderen Einflüsse bringt bzw. hat die islamische Kultur in den europäischen Tanz eingebracht? Was haben wir gemeinsam und was macht uns anders? Wie drücken sich verschiedene Identitäten und Kulturen im Tanz aus? Und wie kann ich meine eigenen Gedanken und meine Identität im Tanz ausdrücken? Dies und mehr erforschten die Teilnehmenden des Tanzworkshops unter der Leitung der Tänzerin und Choreographin Małgorzata Gajdemska.

Während des Workshops sollten die grundlegenden Elemente des modernen Tanzes, der Improvisation und Elemente von traditionellen Tänzen aus dem islamischen Kulturkreis kennengelernt werden. Ziel war es, ein eigenes kurzes Tanzstück zu entwickeln, das sich mit dem Thema der unterschiedlichen Kulturen auseinandersetzt.

So begann der Workshop im ersten Teil mit einem Besuch in der Mediathek für Tanz und Theater des MIME Centrums Berlin. Dort sahen die Teilnehmenden Filme über die Rolle des Tanzes im islamischen Kulturkreis, über den Tanz als eine Form der Selbstdarstellung und über Tanzprojekte mit Frauen und von Frauen in arabischen Ländern. Im Anschluss wurde über die Filme diskutiert. Die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten im Tanz und die Wahrnehmung des Publikums wurden analysiert und hinterfragt.

Im zweiten Teil beschäftigten sich die Teilnehmenden mit dem Thema Zugehörigkeit und Ausgrenzung und der tänzerischen Umsetzung. Wie fühlt es sich an, wenn jemand ausgegrenzt wird und wie kann ich darauf reagieren? Welche Rolle spielt die Körpersprache in Konfliktsituationen und welche Wirkung kann ich damit erzielen? Diese Fragen wurden von den Teilnehmenden sowohl diskutiert als auch in praktische Übungen umgesetzt.

Darüber hinaus wurden in Kurzvorträgen die unterschiedlichen Tanztraditionen verschiedener islamischer Länder vorgestellt. Um eine Brücke zwischen europäischen und orientalischen Tanzformen zu schlagen, wurden mehrere Tänze vorgestellt, die in beiden Kulturkreisen beliebt sind. Es wurden Berührungspunkte zwischen beiden Traditionen des Tanzes aufgezeigt und z.B. der Tanz im Kreis als gemeinsames kulturelles Element erkannt. Darauf aufbauend wurde mit ersten Übungen für die Entwicklung einer Choreographie begonnen.

Auch an den weiteren Terminen wurden immer wieder neue Elemente aus orientalischen Tänzen sowie Gemeinsamkeiten mit europäischen, traditionellen Tanzformen untersucht. Dies führte zur Auseinander­setzung mit vielerlei Themen. So wurden die Rollen von Mann und Frau, geschlechterspezifische Tänze und dadurch entstehende Klischees und ihre Wirkung diskutiert und anschließend tänzerisch umgesetzt. Auch die Themen Körperlichkeit, Berührung, Nähe und Abstand in traditionellen und modernen Tänzen wurden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Ein weiterer Schwerpunkt war die Auseinandersetzung mit dem Thema Identität, dem Unterschied zwischen Individualität und Gruppenzugehörigkeit, verschiedenen Wertesystemen und der Bewegung als Ausdruck von Individualität.

Am letzten Workshoptag ging es hauptsächlich darum, die während der Workshops entstandenen Ideen in eine gemeinsame Choreographie umzusetzen und einzustudieren. Die Teilnehmenden konnten ihre eigene Musik mitbringen und wählten gemeinsam Musikstücke als Grundlage für ihre Choreographie aus.

Die Umwandlung komplexer Themen und Aussagen in körperliche Bewegung war ein intensiver und herausfordernder Prozess, der die Auseinandersetzung mit dem Thema besonders vertiefte. So konnte ein Tanzstück entstehen, das die Teilnehmenden auf Basis der diskutierten Themen und Fragestellungen gemeinsam entwickelten.

Teilnehmende: in Berlin lebende Migrant_innen verschiedener Herkunft im Alter von 16 bis 27 Jahren
Zeitraum: 6 Termine im Zeitraum September – Oktober 2016
Workshop-Leiterin: Małgorzata Gajdemska