Workshop Dokumentarfilm


2019 fand bereits zum fünften Mal der Dokumentarfilm-Workshop „Zeige Deine Welt“ statt. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit verschiedenen Filmtechniken und sprachen mit muslimischen Künstlerinnen und Künstlerin in Berlin über ihre Arbeit. 

Zu Beginn lernten sich die Teilnehmenden durch das Spiel „Geschichte meines Namens“ kennen. Sie stellten sich vor und erzählten, welche persönlichen, kulturellen oder religiösen Hintergründe sie zu ihrem Namen kennen. Nach einer kurzen Programmbesprechung erstellten die Teilnehmenden in kleinen Gruppen auf Plakaten ihre „Mission Impossible“, auf denen sie ihre Wünsche, Ziele und Erwartungen an den Workshop festhielten. Nachdem diese Erwartungen und Wünsche gemeinsam besprochen wurden, gab die Workshop-Leiterin Michalina Mrożek den Teilnehmenden eine Einführung in die Themen Diskriminierung und Rassismus, insbesondere antimuslimischen Rassismus. Gemeinsam besprach die Gruppe wie unterschiedliche Diskriminierungsformen wirken, wer von ihnen betroffen ist und wer von ihnen profitiert. Die Workshop-Leiterin sprach mit den Teilnehmenden über das aktuelle Ausmaß von Islamfeindlichkeit und diskutierte mit ihnen, mit welcher Motivation sie selbst gegen Islamfeindlichkeit vorgehen wollen. Die Teilnehmenden stellten sich Fragen wie: Welche Klischees über Musliminnen und Muslime und „den Islam“ haben wir im Kopf? Wodurch und warum werden Musliminnen und Muslime diskriminiert? Wie erleben Musliminnen und Muslime selbst diese Diskriminierung?

Die Gruppe beschäftigte sich mit Beispielen muslimischer Künstlerinnen und Künstler, die in ihrer Kunst u. a. ihre Diskriminierungserfahrungen in Deutschland verarbeiten. So diskutierten die Teilnehmenden die Zeichnungen der muslimischen Comiczeichnerin Soufeina Tuffix und schauten sich Poetry-Slam-Videos des muslimischen Künstlerkollektivs „i,slam“ an.

Die Teilnehmenden sprachen darüber, was Kunst für sie persönlich bedeutet, was sie alles unter dem Begriff „Kunst“ fassen und wie präsent Kunst in ihrem Leben ist. Im Anschluss an die Gesprächsrunde führte die Workshop-Leiterin die Jugendlichen in die wichtigsten Aspekte der Filmtheorie ein. Sie stellte die drei Komponenten der Filmsprache (Bild / Ton / Licht) vor und vermittelte Kenntnisse über Einstellungsgrößen, Kameraperspektiven und Bildkompositionen. Nach der theoretischen Einführung konnten die Teilnehmenden ihr erworbenes Wissen bei gegenseitigen Interviews umsetzen.

In den folgenden Workshop-Treffen wandten die Teilnehmenden ihr filmtechnisches Know-how in kleinen Gruppen an und bereiteten sich auf ihre ersten Interviews vor. Eine Gruppe plante einen kreativen Dokumentarfilm, in dessen Mittelpunkt ein Interview mit der muslimischen Poetry-Slammerin und Stand-up-Comedian Yasmin Poesy stehen sollte. Die Jugendlichen entwarfen einen Fragenkatalog, recherchierten nach passenden Drehorten und diskutierten, welche Fragen sie vermeiden oder wie sie persönliche Themen ansprechen wollten. Die andere Gruppe hatte sich zum Ziel gesetzt, einen klassischen Dokumentarfilm zu drehen und für den Dreh den muslimischen Poetry-Slammer und Empowerment-Trainer Dennis Sadiq Kirschbaum zu treffen. Beide Gruppen recherchierten im Vorfeld Wissenswertes über die Interviewpartnerin bzw. -partner, arbeiteten an dem Fragenkatalog und verteilten die einzelnen Zuständigkeiten im Filmteam.

Die Teilnehmenden trafen Dennis Sadiq Kirschbaum in den Räumlichkeiten von „i,slam“ und erhielten dort zunächst eine kleine Führung. Er erzählte den Jugendlichen, dass er vor über neun Jahren zum Islam konvertiert ist. Die Gruppe führte ein Interview mit ihm über seine Poetry-Kunst und sein Engagement gegen antimuslimischen Rassismus. Die andere Gruppe drehte einen kreativen Dokumentarfilm, in dem ein Poetry-Slam von Yasmin Poesy als Erzählmittel dient. Auch Yasmin sprach über ihre Arbeit als Poetry-Slammerin und Performerin. Sie erzählte, dass es für sie zum einen als Muslima, aber auch als Frau im Allgemeinen schwierig war, sich als Performerin in der Szene zu etablieren.

Ein weiteres Workshop-Highlight war der Besuch des „Orientalischen Gartens“ in den Gärten der Welt. Die Gruppe interviewte Beate Reuber, die Parkbotschafterin der Gärten der Welt zu der Entstehung des „Orientalischen Gartens“. Frau Reuber berichtete über Islamisch geprägte Architektur und über die künstlerischen Elemente im „Orientalischen Garten“. DieTeilnehmenden drehten darüber hinaus Interviews untereinander. Sie schlüpften hierzu jeweils in die Rollen der Journalistin/ des Journalisten sowie in die Rolle der interviewten Person. Im Mittelpunkt der Interviews standen Themen wie Identität, Integration, Diskriminierung und Heimat. In den Interviews konnten die Teilnehmenden zum einen ihre eigene Perspektive auf diese Themen ausdrücken und zum anderen auch von ihren persönlichen Diskriminierungserfahrungen berichten.

Im Anschluss an die Dreharbeiten führte Michalina Mrożek die Teilnehmenden in die theoretischen Aspekte der Videobearbeitung und in das Schnittprogramm ein. In kleinen Gruppen bearbeiteten die Teilnehmenden das Material. Auch während der Schnittarbeiten setzten sich die Teilnehmenden weiterhin mit den Themen Islam und Musliminnen / Muslime auseinander.

Zum Abschluss des Workshops sahen sich die Teilnehmenden gemeinsam das geschnittene Material an, besprachen ihre Arbeiten und reflektierten, inwiefern die geführten Interviews und Diskussionsrunden im Workshop ihre Ansichten beeinflusst und ihnen neue Impulse gegeben haben.

Teilnehmende: In Berlin lebende Migrantinnen und Migranten verschiedener Herkunft im Alter von 16 bis 27 Jahren

Zeitraum: 6 ganztätige Termine im April und Mai 2019

Workshop-Leiterinnen: Michalina Mrożek (Filmemacherin, Pädagogin), Ursula Henke (Dipl. Kulturwissenschaftlerin, Kamerafrau), Dorota Kot (Kulturmanagerin)