Democratic Meme Factory


Die Democratic Meme Factory greift in Workshops und sozialen Medien Hasskommentare, rechtspopulistische Erzählungen, verzerrte und falsche Nachrichten usw. auf und beantwortet diese mit Democratic Memes*. In unseren Workshops werden junge Menschen von Trainer_innen dabei unterstützt, ihre eigenen, kreativen und satirischen Antworten auf diskriminierende Nachrichten zu finden. Sie antworten nicht nur auf Kommentare und Nachrichten, sondern verbreiten über ihre Memes auch ihre demokratische Sicht auf die Themen als „virale“ Botschaften in den sozialen Medien. Damit kombiniert das Projekt das Erlernen und Vertiefen künstlerisch-kultureller Ausdrucksformen mit politischer Bildung.

Hier können die Jugendlichen Partizipation praktisch erfahren. Darüber hinaus bekommen sie Möglichkeiten und Anstöße zur Reflexion und zu intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung und der eigenen Rolle.

*Memes können z. B. Bilder oder Gifs sein, die neben einer künstlerischen Verwirklichung auch eine Botschaft enthalten. Democratic Memes senden dabei politische Botschaften für Vielfalt, Gewaltfreiheit und Menschenfreundlichkeit.

Die Democratic Meme Factory im Social Web: 

Ziele

Übergreifendes Ziel der Democratic Meme Factory ist die Entwicklung einer Gegenkraft zu Hass gegen Minderheiten. Dabei konzentriert sich das Projekt auf die Arbeit gegen Hass gegenüber Migrant_innen, gegen rechtspopulistische Erzählungen, gegen verzerrte und falsche Nachrichten. Die Selbstwirksamkeit von jungen Menschen, insbesondere Menschen mit persönlicher oder familiärer Migrationsgeschichte, soll gestärkt werden, indem sie kritische Medien- und Argumentationskompetenzen erwerben. So werden sie dabei unterstützt, sich auf positive und auch konstruktive Art gegen Hetze, Stereotypisierung und Diskriminierung zu wehren. Gleichzeitig sollen durch die „virale“ Wirkung von Memes Botschaften der Toleranz, der Vielfalt und einer demokratischen, gewaltfreien Meinungsbildung weit verbreitet werden.

Hintergrund

Das Internet als Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungsmedium spielt im täglichen Leben, insbesondere von Jugendlichen, eine zentrale Rolle. Nahezu alle Jugendlichen in Deutschland haben laut aktuellen Studien Zugang zum Internet. Über 87 % nutzen das Internet mindestens täglich. Der bevorzugte Weg ins Netz führt über Smartphones auf beliebte Dienste wie Facebook, Snapchat oder Instagram.

Insbesondere in sozialen Netzwerken, Foren und Kommentarspalten, aber auch in Blogs, auf Videoplattformen und in weiteren digitalen Räumen lassen sich rassistische, fremdenfeindliche Aussagen und andere Formen der Diskriminierung immer öfter finden. Online nennen wir solche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auch Hate Speech. Hate Speech beschreibt abwertende, menschenverachtende und volksverhetzende Sprache und Inhalte, durch die die Grenzen der Meinungsfreiheit des Grundgesetzes überschritten werden.

Hassreden tragen zu einem gesellschaftlichen Klima bei, das rassistischen und rechtsextremen Personen und Gruppierungen das Gefühl gibt, im Sinne und als Sprachrohr einer schweigenden Mehrheit zu handeln. Die langfristige Prävention von Hate Speech braucht eine solide Basis. Heranwachsende benötigen Erfahrungsräume, um eine sachliche, offene und wertschätzende Debattenkultur zu entwickeln. Dazu gehören echte Partizipationsmöglichkeiten zur Mitgestaltung ihrer (digitalen) Lebenswelt, durch die sie den Wert demokratischer Prozesse erleben können.

Projektansatz

Das Projekt schließt an diesen Befund an und bietet einen solchen geschützten pädagogischen Erfahrungsraum. Dies ermöglicht die Kombination aus künstlerisch-kulturellen Ausdrucksformen und politischer Bildung in den Worshops. Hier können die Jugendlichen eigene „echte“ Partizipationserfahrungen machen. Zudem erhalten sie Reflexionsmöglichkeiten und Gelegenheiten zur intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung und der eigenen Rolle im Leben und der Gesellschaft.

Die Jugendliche Zielgruppe befinden sich an der Schwelle vom Jugendlichen- zum Erwachsenenalter. Das bedeutet, dass sie auch vor der Entscheidung stehen, neue Bezugspunkte zu identifizieren und sich neu in der Gesellschaft zu verorten. Und dies in besonderem Maße, wenn sie selbst oder ihre Eltern nach Deutschland eingewandert sind und einen Orientierungsprozess neu begonnen haben. Vor dem Hintergrund komplexer globaler Problemlagen und Fragestellungen liegt die Gefahr nahe, dass sie sich an einfachen Lösungsangeboten populistischer und demokratiefeindlicher Bewegungen und Gruppierungen orientieren, z. B. an übersteigertem Nationalismus. Das Projekt bietet die Gelegenheit, sich mit diesen Fragen intensiv auseinanderzusetzen und erarbeitet alternative Angebote, um den Menschen- und Demokratiefeinden kreativ zu begegnen.

Es gilt deutlich zu machen, dass die Demokratiefeinde keineswegs real die Mehrheit bilden. Die überwältigende Menge der Internetnutzer_innen beteiligt sich aber nicht aktiv, sondern liest nur mit. Diese Mitlesenden zu gewinnen, sich aktiv oder unterstützend zu Demokratie und Vielfalt zu bekennen, ist Ziel des Projekts.  Dies ist gleichzeitig ein dringend erforderliches Zeichen einer wachen und engagierten Zivilgesellschaft. So trägt die DMF niedrigschwellig zur politischen Bildung, zur Aufklärung und Information in der virtuellen Welt bei.

Die Projektträger

Democratic Meme Factory wird von einem Projektverbund bestehend aus La Red e.V. und dem Centre for Internet and Human Rights (CIHR) umgesetzt. Das Modellprojekt wird gefördert vom Bundesprogramm Demokratie leben! des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Friede Springer Stiftung.

Der gemeinnützige Verein La Red – Vernetzung und Integration e.V. unterstützt als Migrantenselbstorganisation seit 2013 überwiegend junge Zuwandernde aus Europa mit Bildungsangeboten und Beratung. Übergreifendes Ziel ist es, Migrant_innen in Berlin und Deutschland bei ihrer Eingliederung in die Gesellschaft zu unterstützen. Schwerpunkte sind arbeitsmarktbezogene Bildung und Beratung, vor allem aber politische Bildung zur Stärkung von demokratischer Kompetenz und zivilgesellschaftlicher Verantwortungsübernahme.

Das Centre for Internet and Human Rights (CIHR) ist eine Forschungseinrichtung der Europa-Universität Viadrina. Sie forscht zu technischer Entwicklung sowie Gesellschaft und Kommunikation im Internet und will die Vernetzung von Forschung und Praxis in diesen Bereichen vorantreiben.