Wir Hier!



WIR HIER! Kein Platz für Muslimfeindlichkeit in Europa – Migrantenorganisationen im Dialog

Ausgangslage

Berlin ist ein interkultureller Ort – das Zusammenleben von verschiedenen Nationalitäten und Kulturen scheint hier selbstverständlich zu sein. In Zeiten weltweit zunehmender, religiös motivierter Konflikte, zeichnet sich jedoch auch in Berlin in Teilen der Bevölkerung eine steigende Skepsis bis hin zu Feindlichkeit gegenüber dem Anderen ab. Nicht selten bekommen besonders Muslim_innen diese Veränderung zu spüren.

Die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Muslim­feindlichkeit ist nicht zuletzt deshalb seit 2014 eines der Ziele des Bundesprogramms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeind­lichkeit“, das durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) finanziert wird. Das Projekt „WIR HIER! Kein Platz für Muslim­feindlichkeit in Europa – Migrantenorgani­sa­tionen im Dialog“ ist eines der Modellprojekte, die 2015 im Rahmen dieses Bundesprogramms starteten und eine Laufzeit von fünf Jahren haben. Seit dem Jahr 2017 wird WIR HIER! von der Bundeszentrale für politische Bildung kofinanziert.

Das Projekt beschäftigt sich mit dem bislang – sowohl in der Praxis als auch in der Theorie – wenig beachteten Aspekt der Islam- bzw. Muslimfeindlichkeit innerhalb nicht-muslimisch geprägter Migrantencommunities.

Projektträger

WIR HIER! wird von einem Projektverbund aus drei Partnern getragen: Koordiniert wird das Projekt von La Red, einer Migrantenselbstorganisation, deren Schwer­punkt die Integration von neuzugewanderten Men­schen in den Bereichen Bildung, Arbeit und Gesellschaft ist. Eine wichtige – aber nicht alleinige – Zielgruppe der bisherigen Arbeit sind dabei spanischsprachige Ein­wandernde.

Für das Projekt WIR HIER! arbeitet La Red eng mit der Migrantenselbstorganisation agitPolska – Polnisch-Deutsche Initiative für Kulturkooperation e.V. zusammen, deren Schwerpunkt auf der Arbeit mit polnischen Zugewanderten liegt.

Während La Red und agitPolska jugendkulturell mit jungen Neuzugewanderten aus nicht-muslimisch geprägten Herkunftsstaaten an der Auseinandersetzung mit Muslimfeindlichkeit in europäischen Zugewander-ten-Communities arbeiten, konzentriert sich der dritte Partner – Minor – Projektkontor für Bildung und For­schung auf die Erforschung des bisher nicht auf­gearbeiteten Themenfeldes der Muslimfeindlichkeit unter nicht-muslimisch geprägten Migrant_innen.

Zielgruppe und Ziele des Projektes

Primäre Zielgruppe sind Jugendliche aus nicht-muslimisch geprägten Migrantencommunities im Alter von 16 bis 27 Jahren. Richteten sich die Aktivitäten im ersten Projektjahr noch insbesondere an spanisch- bzw. polnischsprachige Jugendliche, so hat sich der Kreis der Teilnehmenden mittlerweile auf Jugendliche aus diversen Herkunftsländern erweitert. Aufgrund der Kooperation mit den beiden osteuropäischen Migran­tenorganisationen ostPunkt e.V. und EastWest e.V. nehmen auch viele russischsprachige Jugendliche an den Aktivitäten teil.

Zu den sekundären Zielgruppen des Projektes zählen für die Jugendlichen wichtige Erwachsene sowie Multi­plikator_innen, Angehörige muslimischer Commu­nities und schließlich auch die (Fach-) Öffentlichkeit.

Übergreifendes Ziel des Projekts ist der Abbau bzw. die Prävention von Muslimfeindlichkeit insbesondere in nicht-muslimischen Migrantencommunities. Die Vertiefung von Vorurteils­strukturen und Stereotypen, die zu Konflikten und Radikalisierungen führen können, soll verhindert werden. Wo es bereits zu manifesten rassistischen oder fremdenfeindlichen Einstellungen gekommen ist, sollen Prozesse des Umdenkens ein-geleitet werden.

Eine große Herausforderung ist es, zunächst eine kommunikative Ebene mit den Jugendlichen und eine emotionale Offenheit für einen Diskurs zu erreichen, um die unterschiedlichen Ausgangs­lagen und Begründungs­zusammenhänge für die tatsächliche oder zugesprochene ablehnende Haltung gegenüber dem Islam bzw. Muslim_innen zu thematisieren. Die Gestaltung des Diskurses erfolgt hierbei partizipativ mit den Jugendlichen – ohne sie zu stigmatisieren. Die Themen werden ergebnisoffen diskutiert und ein Prozess des kritischen Nachdenkens und des Meinungsaustauschs wird angeregt.

Methodisches Vorgehen

Vielerlei Projekterfahrungen der Träger zeigen, dass ein Zugang über Medien-, Kunst- und Kulturaktivitäten insbesondere bei Jugendlichen erfolgreich ist. Die Verbindung von künstlerisch-kultureller Bildung auf der einen Seite und politischer Bildung auf der anderen Seite führt Jugendliche kreativ und nah an Themen heran, denen sie sich sonst kaum öffnen würden. Zudem ist die künstlerische Auseinandersetzung mit einem Thema sehr viel nachhaltiger als „nur“ darüber zu diskutieren – insbesondere wenn sie mit der Lebens­wirklichkeit der Jugendlichen verknüpft ist.

Medien, Kunst und Kultur fungieren somit sowohl als Ausdrucksmittel, aber auch als „Transportmittel“ für Kommunikation und Auseinandersetzung sowohl innerhalb der nicht-muslimisch geprägten Zielgruppen als auch in der Beziehung zu der oftmals als „befremdlich“ wahrgenommenen muslimisch ge­prägten Zielgruppe.

Seit Beginn des Projektes bieten wir sowohl alljährlich mehrtägige Workshop-Reihen als auch eine niedrigschwellige und öffentliche Vortragsreihe zum Thema „Facetten des Islams“, in der Expert_innen zu unterschiedlichen Themen referieren.

Auch im Jahr 2017 boten wir deshalb wieder fünf jeweils mehrtätige Workshop-Reihen an, die im Folgenden genauer beschrieben werden. Die Workshops führen zu einer Reflexion der eigenen Vorurteile der Teil­nehmenden und somit letztendlich zu einer Sensi­bilisierung.

Darüber hinaus veranstalteten wir auch 2017 wieder eine sehr gut besuchte, vierteilige, niedrigschwellige und öffentliche Vortragsreihe zum Thema „Facetten des Islams“, in der Expert_innen zu unterschiedlichen Themen referierten.

Im Jahr 2015 wurden folgende Workshops / Veranstaltungen angeboten: Foto-Workshop, Comic-Workshop, Theater-Workshop, Radio-Workshop, Film-Workshop und eine niedrigschwellige Veranstaltungsreihe mit dem Thema „Keine Angst vor den Nachbarn – Mit dem Islam Tür an Tür“. Die Aktivitäten richteten sich im ersten Projektjahr an Jugendliche mit spanischem bzw. polnischem Migrationshintergrund. Darüberhinaus wurden ein Fachcolloquium und ein Erfahrungsworkshop für Multiplikator_innen, Fachpublikum und Interessierte angeboten und eine Publikation mit dem Thema „Muslimfeindlichkeit und Migration“.

Im Jahr 2016 wurden folgende Workshops / Veranstaltungen angeboten: Dokumentarfilm-Workshop, Filmkritik-Workshop, Theater-Workshop, Mode-Workshop, Tanz-Workshop und eine niedrigschwellige, öffentlicheVeranstaltungreihe zum Thema „Die Facetten des Islams“. Zusätzlich zu den Jugendlichen mit spanischem und polnischem Migrationshintergrund, wurden 2016 auch Jugendliche mit osteuropäischem Migrationshintergrund angesprochen.

Im Jahr 2017 wurden folgende Aktivitäten angeboten: Collage-Workshop, Dokumentarfilm-Workshop, Musik-Workshop, Theater-Workshop, Tourguide-Workshop. Angesprochen waren alle Jugendlichen mit Migrationshintergrund. In einigen Workshops nahmen erstmalig auch Jugendliche aus der muslimischen Community teil. In der öffentlichen Vortragsreihe ging es wieder um „Facetten des Islams“. Unser Projektpartner Minor brachte die zweite Veröffentlichung mit dem Titel „Muslimfeindlichkeit in Europa“.

Im Jahr 2018 sind wieder Workshopreihen und eine Vortragsreihe geplant. Darüberhinaus ein Fachcolloquium zum Thema.

Das Projekt „WIR HIER! – Kein Platz für Muslimfeindlichkeit in Europa – Migrantenorganisationen im Dialog“ wird durch das Programm „Demokratie leben! – Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Im Jahr 2015 wurde es vom  Jugend Demokratiefonds Berlin im Rahmen des Programms „STARK gemacht! Jugend nimmt Einfluss“ und von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration kofinanziert.

Im Jahr 2016 kam die Kofinanzierung von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.
Seit 2017 wird das Projekt von der Bundeszentrale für politische Bildung kofinanziert. Die Laufzeit beträgt 5 Jahre (2015 – 2019).

WIR HIER! wird von einem Projektverbund aus drei Partnern getragen: La Red – Vernetzung und Integration e. V. (Koordination), agitPolska – Polnisch-Deutsche Initiative für Kulturkooperation e.V. und Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung e.V.

 

 

 

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