Workshop Dokumentarfilm


Zeige Deine Welt!

Wie bereits in den letzten beiden Jahren, boten wir auch 2017 einen Dokumentarfilm-Workshopvan. Das Thema der fünftägigen Workshopreihe war „Zeige Deine Welt!“ und richtete sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund. Ziel des Workshops war es, sich mit der Darstellung von Islam und Muslim_innen in den Medien sowie mit dem Thema Muslimfeindlichkeit
auseinanderzusetzen.

Der erste Tag des Workshops startete mit dem gegen­seitigen Kennenlernen der Teilnehmenden. An­schließend besprach die Gruppe, welche Erwartungen und Ziele sie mit dem Workshop verbinden. Die Teil­nehmenden sahen sich den im Vorjahr ent­stan­denen Film „Kleider machen Leute – Kleidung als Ausdruck kultureller Identität“ an und diskutierten da­rüber. Im Anschluss tauschten sie sich über ihre per­sönlichen Erfahrungen zum Thema Islam in ihrem Um­feld aus.

Die Workshop-Leiterin Frau Mrożek zeigte weitere Bei­spiele für die Darstellung „des“ Islams und „der“ Muslim_innen in Film und Fernsehen. Unter anderem schauten sich die Teilnehmenden die Nike-Kampagne an, in der für ein Sport-Hijab (Kopftuch) geworben wird, sowie das erfolgreiche YouTube-Video „Achmed der tote Terrorist“ des Kabarettisten Jeff Dunham. Ziel hierbei war es, die Jugend­lichen für die unter­schied­liche Darstellung von Muslim_innen in den Medien zu sensibilisieren. Es entstand eine angeregte Diskussion über Klischees, Erfahrungen mit Diskriminierung und verschiedenen Standpunkten zum Islam.

Die Teilnehmenden setzten sich dabei mit Fragen aus­einander wie: „Haben muslimische Frauen die­selb­en Rechte wie Männer?“, „Gibt es überhaupt DEN Islam?“, „Wie äußert sich Muslimfeindlichkeit?“ und vor allem: „Wie können wir Stereotypen und Pauschalisierungen entgegenwirken?“.
In Gruppen wurden Ideen und Vorschläge für einen Dokumentarfilm gesammelt. Die Teilnehmenden entschieden sich dafür, unter­schiedliche Interviews zu drehen.

Am folgenden Tag startete Frau Mrożek mit einer Ein­führung in die Theorie des Dokumentarfilmdrehens. Sie stellte die drei Komponenten der Filmsprache (Bild/Ton/Licht) vor und vermittelte Kenntnisse über Ein­­stellungsgrößen, Kameraperspektiven und Bildkom­po­sitionen. Ferner lernten die Teilnehmenden die Kamera zu bedienen, das Mikrofon sachgerecht zu nutzen und Licht zu setzen. Die Teilnehmenden begaben sich anschließend auf die Suche nach interessanten Orten, um das bisher Gelernte anzuwenden.

Am darauffolgenden Wochenende stellten die Work­shop-Leiterinnen unterschiedliche Interview­techniken vor. Die Teilnehmenden übten die Anwendung dieser Methoden und werteten aus, welche Technik für ihren eigenen Filmbeitrag am besten geeignet ist. An­schließend erstellte die Gruppe einen Fragen­katalog, der als Leitfaden für ihre Interviews dienen sollte.

In den folgenden Treffen führten die Teilnehmenden in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen Interviews durch. Alle Interviews bzw. Filmbeiträge wurden je­weils im Anschluss in der Gruppe analysiert und re­flektiert – sowohl hinsichtlich des Inhalts als auch der technischen Umsetzung.

Für das erste Interview wurde ein seit vielen Jahren ver­­heiratetes polnisch-marokkanisches Paar als Ge­sprächspartner eingeladen. Der Fokus des Interviews lag vor allem auf der Frage, wie sich das Zusammenleben zwischen einer Christin und einem Muslim ge­staltet. Die Teilnehmenden hinterfragten, ob sich im Laufe der Ehe schon Situationen ergeben hatten, die aufgrund der unterschiedlichen Religionen zu Problemen führten oder die ein hohes Maß an Toleranz erforderten. Sie erfuhren aber auch, wie be­reichernd die Ehepartner ihre unterschiedlichen Religionen empfinden.

Ein zweites Interview fand mit einem Teilnehmer des Workshops statt. Er stammt aus Syrien und gab den Inter­­viewer_innen Einblick, welche Bedeutung sein Glaube für ihn habe.

In einem Interview mit einem deutsch-ägyptischen Paar wurden rassistische Vorurteile, denen Muslim_innen in Deutschland ausgesetzt sind, thematisiert.

In Interviews mit Passant_innen auf der Straße stellten die Teilnehmenden Fragen wie: „Haben Sie muslim­ische Freunde?“, „Was zeichnet die muslimische Kultur aus?“ und „Halten Sie den Islam für gefährlich?“. Letztere Frage wurde bewusst gestellt, zum einen, um die Reaktion der Passant_innen auf diese provokante Frage einzufangen und zum anderen, um darauf auf­merksam zu machen, dass die Ansicht, der Islam sei eine ge­fährliche Religion oder eine Religion des Terrors, eine häufig vertretene Ansicht ist.

Einige Teilnehmende drehten eine Szene zum Thema Religiosität. Die Kernaussage dieser Sequenz war, dass Anhänger_innen unterschiedlicher Religionen alle „aus Erde gemacht“, also alle gleich sind. Schlussendlich eint alle Menschen mehr als sie trennt, unabhängig von ihrer Religion.

Am letzten Workshoptag führte Frau Mrozek die Teil­nehmenden in die Arbeit mit einem Schnittprogramm ein. Sie veranschaulichte der Gruppe, wie man durch den Filmschnitt die Aussage eines Beitrages beein­flussen kann. Die Teil­nehmenden wendeten das Ge­lernte an und schnitten ihr ge­drehtes Material. Abschließend reflektierten die Teil­nehmenden den Workshop.

Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass sie im Rahmen des Workshops über die Ver¬mittlung von Grundlagen des Filmdrehens hinaus, vieles über Muslimfeindlichkeit gelernt haben und für die Sichtweise ihrer muslimischen Mitbürger_innen sensibilisiert wurden. Insbesondere die kritische Auseinander¬setzung mit den Aussagen der sowohl muslimischen als auch nicht-muslimischen Inter¬view¬partner_innen führte bei den Teilnehm¬enden dazu, dass sie ihre eigenen Vorurteile, Posi¬ti¬onen und Bilder hinterfragten. Entstanden ist ein zehn¬minütiger Film, der vom interkulturellen Zusammen¬leben in Berlin erzählt.

Teilnehmende: In Berlin lebende Migrant_innen im Alter von 16 bis 27 Jahren

Zeitraum: 5 ganztätige Termine im Mai 2017

Workshop-Leiter_innen: Michalina Mrożek (Filmemacherin, Pädagogin), Ursula Henke (Dipl. Kulturwissenschaftlerin, Kamerafrau), Dorota Kot (Kulturmanagerin)