Workshop Dokumentarfilm


Kleider machen Leute

Das pädagogische Konzept des bereits im vergangenen Projektjahr angebotenen Dokumentarfilm-Workshops war so überzeugend, dass wir uns entschieden, diesen auch 2016 wieder anzubieten. Im Gegensatz zu dem 2015 angebotenen Workshop, der sich ausschließlich an Jugendliche mit polnischem Migrationshintergrund richtete, öffneten wir den diesjährigen Workshop für alle Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Das Thema unseres viertätigen Dokumentarfilm-Workshops war „Kleider machen Leute – Kleidung als Ausdruck kultureller Identität“.

Zu Beginn des ersten Workshop-Tages erarbeiteten sich die Teilnehmenden anhand von Filmbeispielen die Besonderheiten des Genres „Dokumentarfilm“. Ferner wurden die ersten theoretischen Filmkenntnisse wie Grundlagen der Filmerzählung, Aufbau eines Drehbuchs, Vorbereitung der Dreharbeiten sowie die unterschiedlichen Verantwortlichkeiten innerhalb eines Filmteams vermittelt. Im Anschluss gab es eine erste Einweisung in die konkrete Arbeit mit Kamera, Ton und Licht. Die Teilnehmenden konnten die erworbenen Kenntnisse mittels kleiner Interviews, die sie innerhalb der Gruppe führten, in der Praxis ausprobieren.

Im Folgenden diskutierten die Jugendlichen darüber, was das Thema „Kleider machen Leute – Kleidung als Ausdruck kultureller Identität“ für jeden Teilnehmenden individuell bedeutet. In zwei Gruppen aufgeteilt erstellten die Teilnehmenden zwei Moodboards, in denen sie ihre ersten Eindrücke und Ideen visuell darstellten und anschließend gemeinsam darüber reflektierten. (Bei Moodboards handelt es sich um große Kartonbogen, auf denen zuvor gesammelte Zeichnungen, Materialien, kurze Texte, Zeitungsausschnitte etc. collageartig aufgeklebt werden.)

Der zweite Tag begann mit einem Film zum Thema „Mode und Identität“. Hierin wurde der Frage nachgegangen, welche Rolle Mode in unserer Gesellschaft spielt und welche Bedeutung Kleidung im Hinblick auf die Wahrnehmung anderer Menschen hat. Nachdem die Jugendlichen sich zu dem gezeigten Film ausgetauscht hatten, begannen sie gemeinsam den Stoff für einen Dokumentarfilm zu entwickeln. Man einigte sich in der Gruppe darauf, dass man sowohl muslimische als auch nicht muslimische Passant_innen zum Thema interviewen würde. Zudem wurde in der Gruppe festgelegt, wer – je nach Interesse und Neigung – welchen Part innerhalb des Filmteams übernehmen würde. Schnell waren die Positionen Kamera, Kameraassistenz, Ton, Tonassistenz, Licht, Interviewende_r, Redaktion und Aufnahmeleitung verteilt.

Nach der Mittagspause erfolgte eine theoretische Vertiefung der Kenntnisse zu Kamera-, Ton und Lichttechnik, die im Anschluss in praktischen Übungen angewendet werden konnte. Der zweite Workshoptag endete mit den ersten kleinen Interviews, die auf der Straße durchgeführt wurden. Als Hausaufgabe bekamen die Teilnehmenden einen Artikel zum Thema „Islamische Mode in Deutschland“ zum Lesen.

Der dritte Workshop-Tag begann mit einer Achtsamkeits-Übung, die verdeutlichen sollte, dass die Realität oftmals anders wahrgenommen wird, wenn man achtsam ist. Diese Achtsamkeit ist beim Drehen eines Dokumentarfilms von großer Wichtigkeit. Anschließend wurden die am Vortag gedrehten Sequenzen hinsichtlich technischer und inhaltlicher Aspekte besprochen sowie Erfahrungen und Eindrücke der ersten Interviews reflektiert und diskutiert. Für den Rest des Tages wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen aufgeteilt. Nach einer weiteren Vertiefung der technischen Kenntnisse sowie einer ausführlichen inhaltlichen Vorbereitung, begannen beide Teams Interviews zu drehen. Die eine Gruppe drehte zunächst in einem islamischen Geschäft für Frauen, anschließend in einem Geschäft für islamische Festtagsmode und abschließend an einem türkischen Eis-Stand. Hierbei standen Fragen im Vordergrund wie: „Welche Bedeutung hat Mode für Sie?“ „Tragen Sie „islamische Kleidung“?“ „Was möchten Sie damit ausdrücken?“ „Wie sind die Reaktionen anderer Menschen darauf?“ „Welche Bedeutung hat das für Sie?“ Die andere Gruppe interviewte Passant_innen unterschiedlichster Herkunft auf der Straße dazu, welchen Stellenwert Mode an sich hat, ob Mode Menschen verbinden oder ausgrenzen kann, was Mode über die Identität eines Menschen aussagt und ob man anhand der Kleidung auf die Zugehörigkeit zu einer Religion oder einer Kultur schließen könne. Am Ende des Tages trafen sich beide Gruppen wieder und tauschten ihre Eindrücke, Ergebnisse und Erfahrungen aus.

Der vierte und letzte Workshop-Tag begann mit einer Einführung in ein Schnittprogramm. Die Teilnehmenden wurden in kleine Gruppen eingeteilt und bearbeiteten jeweils einen Teil des gedrehten Materials. Anschließend präsentierte jede Gruppe ihre Ergebnisse. Auch hier wurden sowohl die Ergebnisse als auch die beim Drehen gemachten Eindrücke und Erfahrungen hinsichtlich Mode, Identitäten, Muslim_innen, Eigen- und Fremdwahrnehmung reflektiert und diskutiert. Dies war insbesondere aufgrund der unterschiedlichen Herkunftsländer der Teilnehmenden (Großbritannien, Syrien, Italien, Spanien, Russland, Polen, Ungarn, Frankreich, China) sehr spannend. Aus Zeitgründen übernahm die Workshopleiterin Michalina Mrożek die endgültige Fertigstellung des Films nach Ende des Workshops.

In einer letzten Auswertungsrunde bescheinigten alle Teilnehmenden nicht nur Kenntnisse im Bereich „Dokumentarfilm“ erlangt zu haben. Sowohl die Interviews, in denen sich die Teilnehmenden kritisch mit ihren eigenen Einstellungen und den Aussagen ihrer Interviewpartner_innen auseinandersetzen mussten als auch die Reflektionen innerhalb der sehr heterogenen Gruppe, führten letztendlich zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Muslimfeindlichkeit sowie zu einer Sensibilisierung gegenüber muslimischen Mitbürger_innen.

Entstanden ist ein 5-minütiger Dokumentarfilm mit Interviews zum Thema „Kleider machen Leute – Kleidung als Ausdruck kultureller Identität“.

 

Teilnehmende: in Berlin lebende Migrant_innen im Alter von 16 bis 27 Jahren

Zeitraum: 4 ganztätige Workshop-Termine im April 2016

Workshop-Leiter_in: Michalina Mrożek und Daniel Rodriguez