Workshop Collage


Gestalte Dein Magazincover!

„Gestalte Dein Magazincover!“, so lautete der Aufruf zu unserer Workshopreihe zum Thema Collage, die im April und Mai 2017 stattfand und sich mit der medialen Konstruktion von Islam und muslimischer Identität auseinandersetzte. Ziel war es, die Teilnehmenden für die diskriminierende Darstellung „des“ Islams und „der“ Muslim_innen in den Medien zu sensibilisieren. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit den in Medien dargestellten Bildern und erstellten selbst Magazincover, die diskriminierende Konzepte unterlaufen und muslimische Identität in ihrer Diversität und Heterogenität zeigen.
Nach einer Vorstellungsrunde und einem Kennenlernspiel, gab es ein Assoziationsspiel, das der Einführung in das Thema Muslimfeindlichkeit diente. Anschließend stellte die Workshop-Leiterin Dr. Sabrina Dittus die Begriffe Islamfeindlichkeit, Islamophobie und antimuslimischer Rassismus in einer Präsentation vor und erläuterte die Schwierigkeit, die Begrifflichkeiten voneinander abzugrenzen.

Im Folgenden zeigte sie anhand von vielen konkreten Beispielen, wie Medien unsere Wirklichkeit oftmals nicht nur abbilden, sondern auch konstruieren – und wie oft dabei sexistische, rassistische, muslimfeindliche und homophobe Bilder transportiert werden. Die Teilnehmenden analysierten im weiteren Verlauf des Workshops selbst Werbekampagnen, Headlines, Bilder etc., die Islam und Muslim_innen in den Medien thematisieren und stellten gemeinsam fest, welch subtile Botschaften den Betrachtenden oftmals vermittelt werden. „Merkmale“ der Unterschiedlichkeit wie Geschlecht, Herkunft, Religion werden oftmals instrumentalisiert, um eine ablehnende oder feindliche Haltung zu erzeugen. Die Teilnehmenden reflektierten sich in der Gruppe und bemerkten, dass auch sie nicht frei von Vorurteilen und Stereotypen sind.

Nach einer Pause übernahm Grafik-Designerin Kathrin Schädlich die Leitung des Workshops. Sie definierte zunächst den Begriff „Collage“ und zeigte anhand von Beispielen, wie vielfältig Collagen sein können. Nachfolgend veranschaulichte sie den Teilnehmenden, welche Bedeutung Form, Farbe und Perspektive haben, um Stimmungen beim Betrachtenden zu erzeugen.

In Zweier-Gruppen erstellten die Teilnehmenden anschließend jeweils zwei Collagen: Die eine Collage sollte ein Gefühl der Geborgenheit erzeugen – die andere ein Gefühl von Angst und Gewalt. Frau Schädlich beobachtete die Arbeitsweise der Teilnehmenden und gab ihnen kleine Hilfestellungen ohne sie jedoch in ihrer freien, künstlerischen Arbeit einzuschränken. Zum Abschluss des Tages gab Frau Schädlich zu jedem Bild ein Feedback, in dem sie das Zusammenspiel der unterschiedlichen Gestaltungselemente nochmals verdeutlichte.

Zu Beginn des zweiten Treffens fasste Frau Dittus die Inhalte des ersten Workshoptages zusammen und wiederholte nochmals die Bedeutung von Bildern für die Konstruktion und Gestaltung von Wirklichkeit sowie die damit in Zusammenhang stehende Rolle der Medien für die Beurteilung von Identitäten und vermeintlichen Zugehörigkeiten. Zur Verdeutlichung sammelte die Gruppe anschließend Schlagworte, Themen und Begrifflichkeiten, die in den Medien häufig mit „dem“ Islam und „den“ Muslim_innen verbunden werden: So z. B. Fundamentalismus, Terrorismus, Emanzipation, Integrationsprobleme, Konflikte, etc.

Im Folgenden analysierten die Teilnehmenden Filme und setzten sich anhand der gezeigten Situationen, der verwendeten Sprache, der Nutzung von Farben, etc. damit auseinander, welche Wirkung bzw. Stimmung Bilder hervorrufen können. Frau Dittus erläuterte in diesem Zusammenhang das Konzept des „Othering“: Die Einteilung der Menschen in „Wir“ und „die Anderen“, die unweigerlich zu Stereotypenbildung führt. Durch ständige Wiederholung werden die Stereotypen immer glaubhafter und somit zu etwas „Selbstverständlichem“. Nach einer Pause übernahm – wie schon am ersten Workshoptag – Frau Schädlich die Leitung des praktischen Teils. Sie zeigte verschiedene Arten und Techniken der Herstellung von Collagen und die Teilnehmenden konnten diese im Anschluss ausprobieren.

Während des nächsten Treffens zeigte Frau Dittus Beispiele von Klischees und stereotypen Darstellungen von Muslim_innen und Frauen aus arabischen Ländern in Filmen und Medien. Die Teilnehmenden sahen gemeinsam Filmausschnitte an (z. B. „Aladin“, „Neukölln unlimited“) und untersuchten, wie Muslim_innen, Türk_innen und Araber_innen in der deutschen Gesellschaft oft wahrgenommen werden. Anschließend diskutierten die Teilnehmenden darüber, welche Möglichkeiten es gäbe, um das Bild der Muslim_innen in Medien und im Bewusstsein der Gesellschaft zu ändern.

Frau Schädlich erläuterte im zweiten Teil des Tages die Wirkung von Farbsymbolik und formalen Gestaltungsprinzipien. Die Teilnehmenden diskutierten darüber, wie Stereotype auf Zeitschriften-Covern durchbrochen werden könnten. Alle Teilnehmenden arbeiteten anschließend an ihren individuellen Covern zum Thema Muslimfeindlichkeit. Zum Ende des Workshoptages wurden die Ergebnisse in der Gruppe diskutiert.

Die beiden darauffolgenden Treffen widmeten sich ausschließlich der praktischen Arbeit an den Collagen. Die Teilnehmenden arbeiteten mit großer Begeisterung daran, eine eigene Botschaft auf Papier zu bringen.

Entstanden sind zehn Collagen, die auf der Abschlussveranstaltung des Projektes WIR HIER! im Herbst 2017 präsentiert wurden. Zusätzlich erhielten alle Teilnehmenden Postkarten mit den von ihnen erstellten Collagen als Motiv. In einer Abschlussrunde versicherten alle Teilnehmenden nicht nur einen Wissenszuwachs erhalten zu haben, sondern auch für die Wahrnehmung von Stereotypen sensibilisiert worden zu sein.

 

Teilnehmende: In Berlin lebende Migrant_innen im Alter von 16 bis 27 Jahren

Zeitraum: 5 ganztätige Termine im Mai 2017

Workshop-Leitung: Michalina Mrożek (Filmemacherin, Pädagogin), Ursula Henke (Dipl. Kulturwissenschaftlerin, Kamerafrau), Dorota Kot (Kulturmanagerin)